In memoriam 4010

von Heinrich Seitner



Die Einsatzzeit der Triebwagenreihe 4010 ist zu Ende. Lange schon haben wir eine traurige Nachricht dieser Art erwartet, aber wir haben immer gehofft, sie würde uns nie erreichen. Dass diese Hoffnung unrealistisch war, wussten wir natürlich; dennoch haben wir unsere Gewissheit verdrängt. Und nun ist es plötzlich hoch an der Zeit für einen Nachruf!



Die kleine Geschichte beginnt am 20.05.2006 inmitten blühender Rapsfelder im nördlichen Niederösterreich......
..... - genauer gesagt - nahe der Stadt Pulkau im wunderschönen Weinviertel.
Vor einem verlotterten Bahnhofsgebäude an einer Bahnstrecke, auf der längst nichts mehr fährt, stehen ebenso verlotterte Teile einer Zugeinheit der Reihe 4010.
An allen Ecken riecht es förmlich nach "Ende", nur ein Zuglaufschild hält noch wacker die Stellung und erinnert an bessere Zeiten.
Doch selbst in dieser Endzeitstimmung heißt es "Haltung bewahren"; daher wird trotz aller bereits vorhandenen Wehwehchen sogar ein mit Andreaskreuz und Stopptafel gesicherter, aber ohnehin kaum mehr benützter Bahnübergang freigehalten.
Die Verbringung der Reste eines der bedeutendsten Fahrzeuge unserer Zeit an diesen Ort erfolgte natürlich mit den entsprechenden Papieren. Ordnung muss sein - selbst während des Unterganges!
Sicherungsmittel verhindern zuverlässig ein Entfliehen vor dem Ende.
Manch ein beweglicher Teil versucht zwar, der Entscheidung zu entkommen, aber was hilft´s.
Die dazupassende Inneneinrichtung gibt's ja auch nicht mehr.
Allerdings war das Interieur - da sollte man sich absolut nichts vormachen - in den letzten Betriebsmonaten ohnehin schon in einem erbärmlichen Zustand, wie dieses Bild, aufgenommen am 25.08.2007 im IC 517 in Salzburg (4010 001) beweist.
Und so verharren 4010 017 und 4010 026 am 20.05.2006 geduldig und warten "Aug in Aug" auf den Schneidbrenner.


Das ist sie also - die bedrückende Realität: Eine der berühmtesten Triebwagenreihen, die jahrzehntelang die Schienen Österreichs, Deutschlands und der Schweiz befahren hat und als "Top-Angebot" der österreichischen Bahn galt, wurde endgültig abgestellt!
Dazu ein ganz kurzer Streifzug in die Historie:



DIE IC-LINIE 6

  • 1978 verkehrten auf der "Pyhrn" zwischen Linz und Graz erstmals Triebwagen der Reihe 4010. Sie trugen so klingende Namen "Johannes Kepler" und "Anton Bruckner".
  • Mit der Einführung des "NAT" im Jahre 1991 schienen im Fahrplanbild der "Pyhrn" auf der IC-Linie 6 sogar 8 Zugpaare in dieser Relation auf. Die Züge trugen Namen wie "Kremstal", "Schlossberg", "Herzog Tassilo", "Bosruck" oder "Pöstlingberg".
  • 1994 begann jedoch das langsame "Sterben", zunächst mit der Reduzierung des Angebotes auf 7 Zugpaare, dann folgte die Verkürzung der Laufwege auf die Relation Linz - Selzthal.
  • Ab 2005 gab es dann überhaupt nur mehr die Zugpaare IC 500/501 und IC 600/601, der in der Fahrplanperiode 2007 zu allem Überdruss noch den Namen "HOLLYWOOD MEGAPLEX KINO" verpasst bekam!
  • Dass in diesen Zügen während ihrer "Abstiegsphase" in den letzten Betriebsjahren weder Speisewagen- noch Buffetservice geboten wurde, versteht sich fast von selbst. Wozu hätte man sonst Dosenbier und Jausenbrote - pardon - Snacks in Zellophan erfinden sollen?



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Nach diesem Rückblick wird es nun Zeit für einige Bilder. Ich kann zwar nicht mit Bilddokumenten aus der Blütezeit dieser Züge dienen, dennoch haben sich im Laufe der Jahre einige Ansichten in meiner Fotokiste angesammelt, die den Einsatz der schönen Züge dokumentieren und die ich nun ohne große Emotion und ohne weitschweifenden Text einfach offen legen möchte. So ganz nebenbei ist dadurch ein kleiner Bilderbogen aus dem Reich der "Pyhrn" entstanden. Diese wunderbare Strecke soll - zumindest für Oberösterreich - den würdigen Rahmen für den Abgesang auf diesen Meilenstein im österreichischen Eisenbahn - Fahrzeugbau bilden!





Selzthal - sozusagen das letzte Eldorado der 4010-er! Hier gaben sich die Triebwagen aus Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck immer ein Stelldichein. Die Züge der ehemaligen IC-Linie 6 von Linz nach Graz wurden ab hier vereint mit den Zügen von Salzburg geführt. Umgekehrt war dies genauso der Fall.




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Am Schluss der Bilderserie kehren wir noch einmal an den Anfang dieser Geschichte zurück, nämlich in das frühlingshafte Pulkautal im niederösterreichischen Weinviertel.


Dort wollen wir uns von den Akteuren gebührend verabschieden.
Vor allem aber sagen wir "Danke" für die vielen schönen Fahrten, die wir mit der Reihe 4010 erleben durften!


Eine unvergessliche Ära geht damit zu Ende!