Die Erzzüge auf der West-, auf der Passauer-
und auf der Kronprinz Rudolfbahn
Ein weiterer elementarer Rohstoff für die Stahlerzeugung ist erzhaltiges Gestein. Dieser Rohstoff wird von den Stahlwerken einerseits zu etwa 50% am Weltmarkt eingekauft, andererseits aber auch von der Konzerntochter "VOEST Alpine Erzberg GmbH" am steirischen Erzberg in Eisenerz abgebaut. |
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Rund 20 km südlich von Hieflau weitet sich das enge Tal zu einem gewaltigen Kessel und plötzlich steht er vor uns, der "steirische Brotlaib", wie man den Erzberg - eines der bekanntesten Wahrzeichen Österreichs - liebevoll nennt. |
Ursprünglich war der Erzberg 1.522 m hoch, doch der intensive Bergbau hat ihn auf eine Höhe von 1.466 m schrumpfen lassen. Allerdings - es ist ja nicht seine Höhe, die ihn so berühmt gemacht hat - es ist seine einzigartige Form! Seit dem Jahre 712 wird an dieser historischen Stätte schon nach Erz geschürft. Zum überwiegenden Teil wird Siderit, auch Spateisen genannt, gefördert. Im Gegensatz zu den Importerzen (fast ausschließlich handelt es sich dabei um Magnetit bzw. Hematit), die einen Eisenanteil von bis zu 65% aufweisen, besteht Siderit nur zu etwa 33% aus Eisen. Dass die Stahlwerke dennoch dieses Erz zur Stahlerzeugung verwenden, hat neben einem sozialen Aspekt (Bergbau schafft noch immer Arbeit in dieser Region!) auch transporttechnische Gründe, denn das Importerz muss in diffizilen Transportketten über große Distanzen herangeschafft werden, während es vom Erzberg zu den Hochöfen nur etwa 200 km (Linz) bzw. nicht einmal 100 km (Donawitz) sind. Insgesamt sind noch ca. 33 Mio Tonnen erzhaltiges Gestein abbaufähig, diese Menge wird bis voraussichtlich 2020 einen Abbau lohnen. Der Abbau selbst erfolgt seit 1986 ausschließlich im Tagebau (ganz im Gegensatz zum berühmten schwedischen Erzabbau in Kiruna). Der Erzberg versorgt die Hüttenwerke in Donawitz mit rund 750.000 Tonnen und jene von Linz mit rund 1,3 Millionen Tonnen Rohmaterial pro Jahr und deckt damit etwa 50% des Gesamtbedarfes. Richtung Linz erfolgte die Bahnverladung des erzhaltigen Gesteins bis 1973 im Bf. Eisenerz, wo eine riesige Verladeanlage stand. Den Transport von der Gewinnungsstätte zu dieser Anlage und zu den nördlich von Eisenerz gelegenen Radwerken (= kleine Schmelzöfen zur Eisengewinnung) übernahm eine Schmalspurbahn, deren Netz um die Wende ins 20. Jhdt. immerhin eine Gesamtlänge von rund 200 km hatte. Das Erz für Donawitz wurde in der Station "Erzberg" in 1.070 m Seehöhe verladen und auf einer normalspurigen Zahnradbahn über den südlich von Eisenerz gelegenen Präbichl nach Vordernberg und von dort weiter nach Donawitz befördert. Heute transportieren riesige Radlader mit mehr als 70 m³ Fassungsvermögen das Gestein von der Gewinnungsstätte zunächst zu den Brechwerken, wo es zerkleinert wird. Anschließend gelangt der gemahlene Siderit über Förderbänder zum Bahn-Verladeterminal in Krumpenthal. |
Am Bf. Eisenerz und in der Stadt selbst dominiert in unseren Tagen leider die Melancholie. Wie gesagt - außer Erzzügen fährt hier praktisch nichts, denn der Personenverkehr Richtung Hieflau wird mit Bussen abgewickelt und die Erzbergbahn über den Präbichl nach Vordernberg existiert ebenfalls nur mehr in der Erinnerung der Eisenbahnfreunde, lebt allenfalls in Form einiger Schaustücke und bei Sonderfahrten weiter. Aber wer weiß - vielleicht geschehen ja noch Zeichen und Wunder! |
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Nach jeder Ankunft eines Erzzuges spielt sich dasselbe Ritual ab: Die Lok geht vom Zug, wechselt auf ein anderes Gleis, schnappt sich dort einen bereitstehenden alten zweichachsigen Mannschaftswaggon und schiebt ihn an die Spitze des Erzzuges. Dann eilt die Lok an das nördliche Ende des Bf. Eisenerz und kuppelt an 2 leere Erzwaggons. Diese werden nun als Schutzwaggons an den Zug geschoben, dann erfolgt eine Bremsprobe. Ist dies geschehen, nimmt der Mitarbeiter der Bahn im Mannschaftswaggon an der Zugspitze Platz und gibt bei freistehendem Ausfahrsignal mittels Funkgerät den Abfahrbefehl an den Lokführer weiter, der sich nun ja in der Lok am Zugschluss befindet! In dieser Formation wird der leere Erzzug über die gewaltige Steigung und durch den 132 m langen Schichtturmtunnel zum Verladeterminal nach Krumpenthal hinaufgeschoben. |
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Kehren wir nach diesem Rückblick wieder in die Gegenwart zurück. Nach dem Wegstellen der Schutz- und Mannschaftswaggons beginnt die Rückfahrt nach Linz bzw. Donawitz. |
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Während sich der schwere Zug durch den Mastenwald des modernen Bahnhofs St. Valentin schlängelt, wird es für Fotografen spannend, denn es stellt sich die bange Frage, ob der Zug auf der alten Westbahnstrecke über die Ennsbrücke und den Bf. Enns oder ob er auf die Hochleistungsstrecke umgeleitet wird und damit erst im Bereich Asten wieder fotografiert werden kann. Hierzu ein kleiner Insider-Tipp: Eine "Verfolgung" des Zuges mit dem Auto ist absolut zwecklos - er ist in jedem Fall schneller, denn rund um Enns ist auf der Straße meist kein Weiterkommen. Dasselbe Problem stellt sich auch im Abschnitt zwischen Asten und Linz, wobei es allerdings für den Fotografen egal ist, welche Strecke er benützt - Masten stehen in beiden Fälle massenweise im Weg! |
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Ein anderer Teil des erzhaltigen Gesteins kommt aus der Slowakei, aus Südafrika, aus Brasilien oder aus anderen Überseestaaten.
Die dabei anfallenden Traktionsaufgaben im Erzverkehr nach Linz werden praktisch ausschließlich von den alteingesessenen Bahnverwaltungen ÖBB und DB durchgeführt, wie der folgende Abschnitt beweist.
Ein großer Teil des Erzes aus Übersee wird in Koper angelandet. Seit Dezember 2006 kommen vor den Erzzügen von Koper nach Linz (48406 - 48407, 48408, 48442 - 48443, 48444) hauptsächlich Lokomotiven der SZ zum Einsatz. |