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Die "Steyrlinger" auf der Pyhrnbahn

Neben Kohle und Erz braucht es auch Kalk, um mit Hilfe des LD-Verfahrens Linzer Spitzenstahl erzeugen zu können. Dazu werden am Südausläufer der Kremsmauer nahe Steyrling jährlich rund 700.000 Tonnen Wettersteinkalk abgebaut.
Um diese gewaltige Menge transportieren zu können, verkehren zwischen Linz Stahlwerke und Steyrling die Zugpaare 61037 - 61036, 61031 - 61030, 61033 - 61032 und 61035 - 61034 entweder täglich oder an bestimmten Verkehrtagen oder eben nur bei Bedarf.
Diese Zügen wiegen leer etwa 800 Tonnen, während sie in beladenem Zustand dann doch schon gut und gerne an die 1.700 Tonnen auf die Waage bringen. (Stand: 01.01.2008) Im Sprachgebrauch der Eisenbahn werden diese Züge einfach als "Steyrlinger" bezeichnet.
CargoServ bedient diese Relation übrigens seit dem Anbeginn ihrer Tage, also seit dem 01.04.2001. Doch nicht nur das - in diesem Zusammenhang gibt es eine weitere Besonderheit zu vermelden: Diese "Steyrlinger" waren die ersten Züge, die von einem privaten EVU auf Österreichs Gleisanlagen befördert wurden. CargoServ hat für diese Pionierleistung zunächst einmal 3 Dieselloks der ehemaligen DR-Reihe V 100 erworben und unter der Bezeichnung 1504 in den eigenen Lokpark eingefügt. Mit der Indienststellung der Eurosprinter ES 64 U2 sind diese zuverlässigen Maschinen großteils aus dem schweren Streckendienst verschwunden, allerdings trifft man sie in der Relation Linz - Steyrling immer dann an, wenn "Not am Mann" herrscht, also ein Eurosprinter - aus welchen Gründen auch immer - nicht zur Verfügung steht.





Nach dem Verlassen des Werksgeländes der VOEST Alpine in Linz rollt der "Steyrlinger" zunächst am Stw.19 des Linzer Verschiebebahnhofes vorbei Richtung Linz Hbf. Von dort geht es dann auf der "Pyhrn" über Kremsmünster nach Kirchdorf an der Krems, wo im ansässigen Zementwerk gelegentlich Waggons aus Linz beigestellt bzw. abgeholt werden. Dann sind es nur mehr wenige Kilometer bis zum Verladeterminal in Steyrling am Klausersee.





Vom Bf. Steyrling aus ist der riesige Kalksteinbruch, der dem Berg eine gewaltige Wunde zufügt, gut zu beobachten. Gleich darunter befindet sich das Brechwerk und der Terminal, wo der gewonnene Kalkschotter in die Waggons des "Steyrlingers" gefüllt wird.
Was da so an "geheimnisvollen Bewegungen" vor sich geht, wollen wir nun einmal etwas genauer beobachten: Ein leerer "Steyrlinger" aus Linz rollt langsam in den Bahnhof und hält an. Der Lokführer hängt den Zug ab, dann wechselt er mit seiner Lok auf das noch verbleibende freie Gleis, fährt am leeren "Steyrlinger" vorbei und erreicht über das gewaltige Steyrlingviadukt den Verladeterminal, wo schon ein beladener "Steyrlinger" bereitsteht. Nach wenigen Minuten zieht er den Zug aus dem Terminal ab und schleppt ihn auf das freie Gleis im Bf.Steyrling.
Nun sind durchgehende Zugfahrten auf der "Pyhrn" nicht mehr möglich, denn es gibt kein freies Gleis mehr.
Rasch wird der Eurosprinter vom Zug abgehängt. Über den Weichenbereich gelangt er erneut an den leeren "Steyrlinger". Irgendwie kommen einem bei diesem Anblick allerdings manchmal Bedenken, denn der Lokführer sitzt oft nicht am Bock sondern lässt sich den Fahrtwind um die Ohren sausen! Wie von Geisterhand gesteuert, fährt die Lok an den Zug, vor dem der Lokführer schon zum Kuppeln bereitsteht. Natürlich - die "Geisterhand" besteht aus einem kleinen Bauchladen, von dem aus das Kraftpaket millimetergenau gesteuert werden kann. Diese "Einmann-Show" beim Verschub in Steyrling ist auch der Grund, warum bei den Kalkschotterverkehren nur Loks mit Fernsteuerung eingesetzt werden können. Derzeit sind das die angesprochenen Diesel der Reihe 1504 sowie die Eurosprinter 080, 081 und 082.
Nachdem die Lok gekuppelt und die Luftleitung geschlossen ist, wird vom Lokführer sozusagen "im Vorbeigehen" die Bremsprobe erledigt.
Angelangt beim letzten Waggon genügt ein kleiner Handgriff am Bauchladen, das Zugende wird plötzlich zur Zugspitze umfunktioniert, die Lok steuert hoch und schiebt den leeren "Steyrlinger" in den Verladeterminal, wo der Zug in mehrere Teile zerlegt und anschließend die einzelnen Waggongruppen von einem Verschubroboter unter den Beladetrichtern zur Beladung durchgeschoben werden. Ist auch dieser Vorgang abgeschlossen, wird erneut ein Ganzzug gebildet und zur Abholung bereitgestellt.





Darauf wartet unser Eurosprinter allerdings nicht, sondern kehrt, nachdem die leeren Wagen ordnungsgemäß im Terminal abgestellt wurden, unverzüglich aus der Anschlussbahn über das Steyrling-Viadukt wieder in den Bf. Steyrling zurück, schnappt sich den beladenen "Steyrlinger" und tritt auf der "Pyhrn" die Heimreise nach Linz an.