Fußball-EM in Kleinmünchen

von Heinrich Seitner


War das ein aufregendes Jahr für Kleinmünchen: Ausgerechnet im letzten Bestandsjahr des alten Bahnhofes führte König Fußball Regie - und zwar sowohl am Rasen als auch auf dem Gleisfeld. Das sollte man doch in gebührender Form würdigen, denn beides wird es in Österreich wohl niemehr wieder geben. Ach ja - für jene, die es nicht wissen: Kleinmünchen ist ein Stadtteil von Linz; der Bahnhof Linz-Kleinmünchen ist der erste, den die Züge auf der Fahrt von Linz Richtung Wien durchfahren.





Seit dem 10.12.2006 hält hier kein Reisezug mehr an und dementsprechend schmuddelig ist auch das Äußere dieses Vorstadtbahnhofes von Linz. In den nächsten Monaten wird hier mit dem Bau eines weiteren Hochleistungsabschnittes der Westbahn begonnen.






Überall herrscht Tristesse, Endzeitstimmung.






Doch plötzlich regt sich wieder Leben: Videowalls werden aufgestellt .....






.... und Publikum erscheint.






Am Gleisfeld wird „Euromotion“ erzeugt. Leere Worthülsen faseln etwas von Völkerverbindung durch Fußball. Gemeinsam wurde ja begonnen, aber sogleich auch kräftig ausgesiebt!






In Gruppe A ist z.B. Tschechien sang- und klanglos untergegangen. Keine Spur mehr vom Esprit der Mannschaft vergangener Zeiten.






Auch Gastgeber Schweiz spielte glücklos und fuhr schon nach der Vorrunde nach Hause.






Nicht wenige Österreicher haben sich ins Fäustchen gelacht (man gönnt einander eben keine Erfolge!), doch in Gruppe B saßen auch sie bald im Zug nach Nirgendwo.






Die Polen fuhren gleich mit, denn auch ihre Mannschaft war nur mehr ein matter Abglanz früherer Tage.






In Gruppe C herrschte „Horror pur“! Rumänien hätte sich den Weg nach Zürich und Bern glatt sparen können.






Noch schlimmer erwischte es die „Grand Nation“. Mehr als blamabel war ihr frühzeitiger Abschied vom Turnier.






In Gruppe D war eigentlich von Anfang an alles klar. Schweden war farblos wie immer und fuhr gleich wieder nach Hause.






Den Griechen lag der EM-Titel 2004 wohl noch im Magen, also verzichteten sie auf dessen Verteidigung.






Tja – nach der Vorrunde war zumindest für die Gastgeberländer eines klar: Sie hätten es beim Schifahren bewenden lassen sollen. Das beherrschen ihre Athleten, die Jagd nach dem runden Leder ist hingegen ihre Sache nicht!






Doch das Achtelfinale verhieß weitere Spannung, also saß wieder alles vor der Flimmerkiste und harrte gespannt der Dinge, die da passieren sollten.






Portugal, der Sieger der Gruppe A, verlor mit Pech gegen Deutschland, den Zweiten der Gruppe B. Dennoch – das gefällige Spiel dieser Mannschaft fand beim Publikum den größten Anklang.






Die Spieler der Niederlande, überragende Mannschaft aus der „Horrorgruppe“ C, haben wohl ihren bisherigen Triumph auch nicht so recht verkraftet und bezogen gegen Russland, den Zweiten der Gruppe D, eine blamable Niederlange.






Viel Pech hatte Kroatien: Gegen Deutschland noch bravourös, erlitten die wackeren Mannen vom Balkan gegen die Türkei im Elfmeterschießen eine bittere Niederlage.






Und auch die Minimalisten vom Stiefel wollten mit geringstem Aufwand in die nächste Runde, haben aber im Elfmeterschießen gegen Spanien das Tor nicht getroffen. Also hieß es auch für den Weltmeister „Arrivederci“!






„Mamma mia“ – welch ein Schock für die Tifosi – eine Welt schien einzustürzen!






Im Halbfinale wurden dann aber endlich Nägel mit Köpfen gemacht. Die Mannen vom Bosporus, bisher die Überraschungsmannschaft des Turniers, zogen gegen die deutsche Gründlichkeit den Kürzeren.






Und die Deutschen bogen – wie nicht anders zu erwarten – als erste in die Zielgerade Richtung EM-Titel ein.






Auch für Väterchen Russland war im Halbfinale Ende. Keine Chance gegen Spanien.






Spanien hingegen deutete erstmals an, dass man sich durchaus auch den Gewinn des EM-Titels vorstellen könnte!






Deutschland gegen Spanien – welch ein Endspiel! Das Publikum war aus dem Häuschen und manche hatten ob der Aufregungen schon arge Zerfallserscheinungen.






Und dann war in 90 Minuten alles vorbei: Deutschland umfing wieder die raue Wirklichkeit und die Erkenntnis, dass der Titel eines „Fußball-Weltmeisters der Herzen“ für den Gewinn einer Europameisterschaft nicht ausgereicht hat.






Spanien hingegen zeigte uns Fußball vom Feinsten, Fußball, wie er sein soll.






Das warf selbst die Stärksten um – Bacchus sei Dank!






So also sehen sie nun aus – die Gewinner der EM: Das ist einmal die UEFA, die überall kräftig abgesahnt und ihre Taschen prall gefüllt hat.






Und dann eben Spanien, der neue Europameister. Zu diesem feierlichen Anlass war der beste Zug auf Europas Schienen gerade gut genug!






Und noch 2 Gewinner hat es gegeben:
Einmal die ÖBB, die mit ihrer Idee, jedem Teilnehmerland, der UEFA und allen Ländern gemeinsam das Design einer Lok zu widmen, einen ganz tollen Werbegag gelandet haben. So nebenbei hat die Bahn auch die anfallenden Transportleistungen bravourös gemeistert.
Und auch der Bahnhof Linz-Kleinmünchen ist ein Profiteur, denn immerhin sind alle gezeigten Bilder der EM-Loks auf seinem Gleisfeld entstanden. Er wird uns Fotografen wohl sehr fehlen, wenn er sich in Zukunft hinter hohen Lärmschutzwänden versteckt!