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Die Kurven von Haiding


Welcher Eisenbahnfotograf kennt sie nicht - die Kurven von Haiding. Während der vor uns liegenden Kilometer wird die Passauerbahn dreimal nachhaltig ihre Richtung ändern. Weil dadurch auch der Sonnenstand ständig wechselt, ist ein Fotoausflug in diesen Bereich sozusagen "ein Fulltimejob". Einmal hier angelangt, hat man den ganzen Tag zu tun, denn irgendein Abschnitt mit dem idealen Fotolicht findet sich immer, solange unser Lebensspender vom Himmel lacht. Und selbst wenn sich die Sonne einmal verzieht, gibt es hier genug Motive. Dass man als Fotograf im Bereich Haiding ins Schwärmen gerät, versteht sich unter diesen Voraussetzungen wohl von selbst!

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Der Regionalzug von Passau nach Linz hat die Innbachbrücke bereits überquert und passiert nun die Weichen der Überleitstelle Haiding 2. Gleich danach beginnt die erste der Haidinger Kurven, nämlich jene von Haag. weitere Bilder
Im weiteren Verlauf der Kurve macht die Passauerbahn "in Tarnung" und huscht in einem tiefen, fast unzugänglichen Einschnitt am kleinen Ortsteil Haag vorbei. In Fahrtrichtung Wels wird die Richtungsänderung der Strecke am Ende der Kurve beinahe 90° nach links betragen. weitere Bilder
Besonders spektakulär ist der Mittelabschnitt der Kurve von Haag, in welchem die Strecke ein mächtiges bäuerliches Anwesen umrundet. weitere Bilder
Im Auslauf der Kurve von Haag leitet ein modernes Betontragwerk über den Krenglbach.
Danach folgt ein ganz kurzer gerader Streckenabschnitt. weitere Bilder
Aus einer etwas erhöhten Position kann man im Frühjahr noch einmal einen Blick auf die Krenglbachbrücke erheischen. Ist erst einmal das Blattwerk am Baum, wird einem dieser Blick verwehrt.
Kaum hat die Gerade begonnen, ist sie auch schon wieder zu Ende und der Kesselwagenzug aus dem letzten Bild legt sich in die Kurve von Edlgassen hinein. weitere Bilder
Diese Kurve wird die Passauerbahn wieder auf ihren ursprünglichen "Kurs" bringen, also geht es 90 nach rechts. Vom letzten Standort sind es nur wenige Meter, dann hat man diese beeindruckende Position erreicht. Moderner Bahnbau schafft eben oft auch große Vorteile für Fotografen in Form von tollen Aussichtspunkten auf das Objekt der Begierde! weitere Bilder
Egal, von welcher Seite und aus welcher Position man die Züge in diesem Abschnitt beobachtet - der Anblick ist immer wieder faszinierend. Und das Beste daran ist, dass alle geeigneten Standorte gefahrlos durch mehrere Unterführungen erreicht werden können.
Selbst die Jahreszeit spielt keine allzu große Rolle, denn die Böschungen sind noch nicht besonders verwachsen - allenthalben sind die Spuren des erst vor kurzen abgeschlossenen Bahnausbaues deutlich sichtbar. Und sollte es einmal "zu dicht" werden, dann legen die Mannen der Bahnmeisterei Hand an und roden den Wildwuchs.
Von einer Anhöhe im Norden des Bogens aus erkennt man die gewaltige Ausdehnung dieser Richtungsänderung bei Edlgassen besonders gut. Leider ist diese Position bei Sonnenschein nicht verwendbar, aber die Eleganz der Kurve rechtfertigt ja durchaus auch einige "Regenfotos"! weitere Bilder
Plötzlich ertönt im Rücken des Betrachters ein Pfeifsignal. Man wendet sich um und erkennt eine weitere Bahnstrecke, auf der sich eine Diesellok mit Güterwaggons nähert. Es ist die Bahnstrecke von Aschach über Eferding nach Haiding, die vor ihrer Einmündung zunächst noch die Fischteiche von Edlgassen ..
.. und die vielen neuen Häuser dieses Ortsteiles umrunden muss.
Heute zeigt sich an gleicher Stelle ein anderes Bild, denn seit 2009 bedient das EVU Stern & Hafferl mit seinen schönen Loks den Güterverkehr zwischen Wels und Aschach. weitere Bilder
Auf der Passauerbahn nimmt derweilen auch die Kurve von Edlgassen ihren Lauf und erreicht - gemeinsam mit der Aschacherbahn - die Einfahrsignale des Bf. Haiding. weitere Bilder
Im Bf. Haiding selber wird das Fotografieren etwas schwierig, denn wie überall dominieren auch hier endlose Reihen von Beleuchtungskörpern und ein Wald aus Fahrleitungsmasten die Szene.
Obwohl der Zugverkehr bereits vom Zentralstellwerk Wels aus gesteuert wird, haben die Bahnverantwortlichen den alten Bahnhof von Haiding mustergültig saniert. Nun stellt das Gebäude einen interessanten Widerspruch zum sonstigen, in Glas, Stahl und Beton gehaltenen Ensemble dar. weitere Bilder
Der Gleisbereich windet sich in weiterer Folge zwischen den gewaltigen Silotürmen der Lagerhausgenossenschaft Wels (im Hintergrund) und des Mischfutterwerkes Mayr (im Vordergrund) Richtung Wels durch. weitere Bilder
Von der Außenseite kann man den eleganten Bogen gut einsehen; er verändert den Streckenverlauf der Passauerbahn um etwa 45 nach rechts (in Fahrtrichtung Wels). Nur mit Schlangen sollte man nicht auf Kriegsfuß stehen, denn derer gibt es hier viele! Der Hintergrund des Bildes wird vom Silo des Mischfutterwerkes Mayr bestimmt. weitere Bilder
Damit sich die 4 Bahnhofgleise von Haiding wieder in die beiden Streckengleisen einfädeln können, gönnt sich die Passauerbahn anschließend eine etwa 400 m lange Gerade. Aus dieser Perspektive dominiert nun der Silo der Lagerhausgenossenschaft Wels den Hintergrund. weitere Bilder
Dieser Streckenabschnitt ist auch von der nördlichen Gleisseite her äußerst fotogen, nur ist Vorsicht geboten, denn als Folge des Gleiswechselbetriebes kann die übliche Fahrordnung durchaus schon einmal etwas abgeändert werden und dann wird es eng, was die Brennweite angeht. weitere Bilder
Züge Richtung Passau lassen sich an dieser Stelle nur ungern fotografieren; da hat einfach die Sonne etwas dagegen. Aber das Schicksal meint es ja gut und verdunkelt den Lebensspender gelegentlich mit Wolken. Für jene, die auch bei Schlechtwetter am Weg sind, hält die Passauerbahn nun als kleine Entschädigung einen der spektakulärsten Ausblicke auf ihren Zugverkehr parat. weitere Bilder
Es gibt aber auch den Fall, dass nicht das Wetter, sondern der Bahnverkehr zur Melancholie beiträgt. Dies war an einem verregneten Tag im Juni 2009 der Fall, als die Reste der stolzen Triebwagenreihe 4010 in das Ausbesserungswerk der sächsischen Schokoladenstadt Delitzsch geschleppt wurden und damit wohl letztmalig österreichische Schienen unter ihren Rädern hatten. Sensationell war allerdings die Tatsache, dass der Zug von einer slowenischen Lok der Reihe 541 geschleppt wurde; diese Lokreihe ist sonst auf der Passauerbahn planmäßig nicht anzutreffen. weitere Bilder
Kaum haben die Züge die letzte Weiche von Haiding passiert, folgt in Katzbach die dritte Haidinger Kurve. Und wieder sind es gut und gerne 90, um die der Zug die Fahrtrichtung ändert - diesmal wieder nach links. weitere Bilder
Etwa in der Mitte der Katzbacher Kurve folgt dann zweifellos eine der schönsten Fotostellen der Passauerbahn. Während im Vordergrund die Kurvenneigung der Züge Dynamik und Schwung signalisiert, dominieren die beiden Silotürme von Haiding den Hintergrund und strahlen etwas von der Ruhe des schönen Heimatlandes aus. weitere Bilder
Jetzt erhebt sich natürlich die Frage, ob die Szenerie auch bei Zügen Richtung Passau beherrschbar ist. Nun - eigentlich eher nicht, es braucht schlechtes Wetter oder aber man steht zu später Stund am Bahngraben und steigt vielleicht auch noch ein bisschen den Hang hinauf. Die Häuser von Katzbach verschwinden fast hinter dem riesigen Damm, auf dem die Gleise der Passauerbahn hier verlaufen. weitere Bilder
Nach rund einem Kilometer nähern wir uns langsam dem Ende der Haidinger Kurven. Den Hintergrund bildet nun der Ortsteil Forst der Gemeinde Krenglbach, dessen neue Häuser sich an den Sonnenhang schmiegen. weitere Bilder
Nach der Ausfahrt aus der Katzbacher Kurve verschwindet die Passauerbahn im ausgedehnten Waldgebiet des "Linet" und führt nun geradewegs auf den Puchberger Einschnitt zu.
Erklimmt man eine kleine Anhöhe nördlich der Bahn, dann schweift der Blick noch einmal zurück nach Haiding. Kaum zu glauben, aber vor rund 1 Minute hat sich unser Zug noch zwischen den beiden Silotürmen durchgeschlängelt.

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Während der Durchfahrt durch die 3 großen Kurven von Haiding haben wir auch den Rand des Hausruckviertels passiert. Das Hügelland hat sich noch einmal von seiner schönsten Seite gezeigt und wohl endgültig mit dem Vorurteil, die Gegend rund um die Passauerbahn sei flach und langweilig, aufgeräumt.