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Innviertler Impressionen


Von Schärding bis Gopperding wird die Passauerbahn zunächst aus drei Gleissträngen gebildet, denn die Nebenbahn nach Ried im Innkreis pocht auf das Recht einer eigenen Fahrbahn. Ab der ehemaligen Haltestelle Gopperding geht es dann wieder zweigleisig weiter.
Auch das Bild der Landschaft ändert sich schnell: Wir verlassen das enge Tal des Inns und folgen auf den nächsten 27 Kilometern dem Flusslauf der Pram. Die bisher so markante Flusslandschaft weicht nun sanften Hügel und weiten Landwirtschaftsflächen. Wir haben das Innviertel - eines der vier oberösterreichischen Stammländer - erreicht.

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Im Bahn-Kilometer 64,6 teilt sich die Strecke: Links führt die Passauerbahn der Pram entlang weiter nach Andorf, während rechts die Hausruckbahn nach Ried und Attnang-Puchheim abzweigt. Die ehemals hier situierte Hst. Gopperding hat sich im Jahre 2008 still und leise von der Passauerbahn verabschiedet und dient derzeit nur mehr den Zügen der Strecke Schärding - Attnang-Puchheim als Haltepunkt. Gelbe Absperrbänder signalisieren dem Reisenden, dass die Züge der Passauerbahn mit der Haltestelle "nichts mehr am Hut haben". weitere Bilder
Die Maßnahme der Bahn ist zu begrüßen, denn umgestiegen ist ja in der Vergangenheit ohnehin kaum jemand, beträgt doch die Entfernung zwischen Antiesenhofen an der Hausruckbahn und Andorf an der Passauerbahn auf der Straße nur etwa 12 km, auf der Schiene hingegen ca. 25 km. Und auf der anderen Seite hat die Auflassung der ungenützten Haltepunkte die Fahrzeiten auf der Passauerbahn nachhaltig verkürzt.
Aber ein fotografisches Erlebnis ist Gopperding allemal geblieben. weitere Bilder
Und manchmal wird zwischen Gopperding und Schärding sogar um die Wette gefahren! (Übrigens - im bildlich dokumentierten Fall hat der ICE gewonnen)
In der Weite der Landschaft, die uns zwischen Schärding und Pramhof umfängt, kommt die teilweise imposante Länge der hier verkehrenden Güterzüge so richtig zum Tragen. weitere Bilder
Hinter Pramhof tauchen plötzlich links in Fahrtrichtung Wels markante Felswände auf. Neben einem großen Brechwerk türmt sich Schotter. Wie das? Berge im flachen Innviertel, denkt man? Des Rätsels Lösung: Rund um Schärding wird Granit gebrochen. Davon profitiert auch die Eisenbahn und bezieht von hier große Mengen des österreichweit benötigten Gleisschotters. weitere Bilder
An der aufgelassenen Hst. Allerding kommt es dann schon ab und an zu einem Treffen zweier Dieselveteranen, von denen die eine eben nur mehr die Waggons in der Anschlussbahn der Granitwerke rangiert, während die andere die bereitgestellten Schotterzüge (noch) zu den Gleisbaustellen bringt.
Gleich hinter Allerding haben die Bahnbauer mühsam eine Schneise in den harten Schärdinger Granit geschlagen, um der Passauerbahn ein Weiterkommen zu ermöglichen. weitere Bilder
Unmittelbar nach diesem Durchlass wechselt die Passauerbahn auf das andere Ufer der Pram. Erst beim Verlassen des Innviertels nahe der Ortschaft Dorf an der Pram wird die Bahnlinie den Fluss ein zweites Mal überqueren.
Kaum ist die Prambrücke passiert, führt der Schienenweg neuerlich durch massiven Granit.
Am Ende des Einschnittes geht es dann bei Jechtenham in einem eleganten Bogen hinaus in das weite Pramtal. Jetzt beginnt erst so richtig "Innviertel pur"! weitere Bilder
Vor uns taucht nun der Marktflecken von Taufkirchen an der Pram auf. Der Bahnhof war einer der ersten entlang der Passauerbahn, die komplett umgebaut und modernisiert wurden. Entsprechend steril, aber eben zeitgemäß präsentiert sich auch das Erscheinungsbild. weitere Bilder
So ein moderner Streckenabschnitt ist natürlich wie geschaffen für diverse Mess- und Probefahrten, so auch im Jahre 2006, als die ICE-T für den bevorstehenden Einsatz auf österreichischen Strecken abgetestet wurden. Und zum Fotografieren taugt die Ausfahrt aus Taufkirchen an der Pram erst recht! weitere Bilder
Obwohl wir das Siedlungsgebiet von Taufkirchen längst hinter uns gelassen haben, begleiten uns weiterhin die Lärmschutzwände, während wir in den Streckenabschnitt zwischen Taufkirchen und Andorf eintauchen. weitere Bilder
Trotzdem ist bei aller Modernität dann doch irgendwo immer noch Platz für Mutter Natur, wenngleich auch meist nur dort, wo der Mensch sie duldet. Ansonsten prägen Symptome einer erst vor kurzem abgeschlossenen Streckensanierung das Bild der Passauerbahn auf den nächsten Kilometern. Überall findet man sauberen Gleisschotter, kahle Begleitstraßen und komplett vorhandene Grundvermarkung. Aber was soll's - wir benützen eben eine Hochleistungsstrecke des europäischen Eisenbahnnetzes! weitere Bilder
Hinter dem kleinen Weiler Schusteredt ändert die Passauerbahn in einem weiten Bogen ihre Richtung und steuert nun schnurstracks auf Andorf zu. Heute ist dieser Bereich leider wegen der hohen Leitplanken zwischen Straße und Gleiskörper als Fotostandort nicht mehr verwertbar. weitere Bilder
Kurz danach fährt der Zug langsam im Bahnhof Andorf ein.
Vom alten Bahnhofsensemble ist eigentlich nur das Aufnahmsgebäude geblieben, der Rest ist moderner Zweckmäßigkeit in Glas und Beton gewichen. Andorf selbst ist einer jener gemütlichen Marktflecken, wie wir sie im Innviertel allenthalben finden. weitere Bilder
Kaum liegt der Bf. Andorf hinter uns, folgt bei Heitzing sogleich eine spektakuläre Kurve. Ein alter Fernsprecher genießt fernab der Gleisachse hoch über dem Schienenstrang die wunderbare Aussicht auf das Land und seine tolle Eisenbahn. weitere Bilder
Ab Heitzing zieht sich eine schier endlose Gerade, vorbei an den Weilern Basling, Getzing, Hötzlarn und Griesbach bis nach Zell an der Pram. Wir erleben "Innviertel pur" - weite Landschaft, endlose Felder und verstreute, für die Gegend so typische bäuerliche Haufensiedlungen. weitere Bilder
Im Bereich des Weilers Hötzlarn passiert die Passauerbahn ein kleines Wäldchen, welches ein bisschen Abwechslung in die sonst so dominante Ackerbaukultur bringt. weitere Bilder
Nur wenige Meter danach schleppen sich 2 Loks der Reihe 185 schon am nächsten "Highlight" der Strecke vorbei und werden in wenigen Augenblicken die Häusergruppe von Griesbach erreichen, wo sich früher ebenfalls ein Haltepunkt befand. weitere Bilder
Auch von der anderen Seite hat die Passauerbahn an dieser wunderbaren Stelle mehr als einen flüchtigen Blick verdient.
Nun geht es am Gelände einer großen Baumschule entlang zu einer mächtigen Brücke, auf der die B 137 die Passauerbahn überquert. Hier lässt sich fernab von jeder menschlichen Behausung der Bahnverkehr ungestört beobachten. weitere Bilder
Schnell ist die ländliche Idylle verflogen, wenn sich der Zug der Hst. Zell an der Pram nähert. In diesem Bereich haben umfangreiche Bauarbeiten das Aussehen der Passauerbahn in den Jahren 2004 bis 2006 ebenfalls nachhaltig verändert. weitere Bilder
Die Hst. Zell an der Pram präsentiert sich ab Sommer 2006 im modernen Look; Stahl und Beton hat man allerdings geschickt hinter Holzverkleidungen versteckt. Wenige Monate vorher war an gleicher Stelle noch "die Hölle los", wie die weiteren Bilder beweisen. weitere Bilder
Die wunderschöne Pfarrkirche und das Schloss Zell an der Pram laden zu einer erholsamen Pause vom modernen Eisenbahnbetrieb ein. Und wie überall im Innviertel begegnen wir in der Kirche wieder dieser stillen, schlichten und doch so einprägsamen Frömmigkeit. Innere Überzeugung dominiert - nicht vordergründiger barocker Pomp! weitere Bilder
Zurück an der Strecke zieht uns gleich wieder die Betriebsamkeit der Magistrale in ihren Bann.
Gut versteckt hinter Lärmschutzbauten macht die Passauerbahn einen leichten Bogen und erreicht so den Bf. Riedau.
Einen "Bahnhof" im herkömmlichen Sinn sucht man hier vergeblich - man beschränkt sich auf das Wesentliche und gibt sich mit Auf- und Abgängen modernster Art sowie pflegeleichten, österreichweit standardisierten Beleuchtungskörpern entlang des Bahnsteiges zufrieden. weitere Bilder
Das war nicht immer so, aber im Zeitalter der Fernsteuerung sitzt hier kein Mitarbeiter des Betriebsdienstes mehr, ergo braucht es auch keinen Bahnhof. weitere Bilder
Vorsorglich hat man gleich das regionale Lagerhaus, einen früheren Bahnkunden, vom Bahnbetrieb ausgegrenzt, was aber ohne Konsequenzen bleibt, dann Lebensmittel und die meisten Landwirtschaftsprodukte meiden schon lange den Verkehrsweg "Schiene".
Fotografieren wird in dieser überdimensionalen Moderne freilich zur Herausforderung. Aber für Fotografen wurde die Bahn ja auch nicht gebaut!
Zurück in der Realität kündigt ein schlichtes "Z" eine Zugdurchfahrt an.
Kurze Zeit später erscheint der Gast mit einem netten Bart, denn im Innviertel kann es auch arktisch kalt sein.
Wir folgen dem Gleisstrang der Passauerbahn Richtung Süden und erreichen kurz vor der Ortschaft Dorf an der Pram wieder einen "Klassiker" unter den vielen spektakulären Fotostellen in diesem Abschnitt. weitere Bilder
Plötzlich signalisiert Baumbewuchs einen Flusslauf. Wir überqueren auf einer kleinen Brücke die Pram - wie in Allerdings bereits angekündigt - das zweite Mal und verlassen damit das schöne Innviertel.

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Diese "Grenze" ist zwar in den Seelen der Menschen tief verwurzelt, denn "die von drüben" sind ja schon Hausruckviertler, allerdings versteht man beiderseits dieser fiktiven Linie Deutsch und auch der Charakter der Landschaft ändert sich zunächst nur wenig - immer noch ist sie weit, schön und friedvoll. Und in Oberösterreich befinden wir uns außerdem auch noch immer!!