puchberg

Durch den Puchberger Einschnitt nach Wels


Die Kurven von Haiding liegen bereits hinter uns, doch nun versperrt uns ein Geländerücken mit ausgedehntem Waldbewuchs den Weg in die Welser Heide. Es handelt sich um den so genannten "Linet", eines der vielen Naherholungsgebiete rund um Wels, der zweitgrößten Stadt Oberösterreichs. Die Passauerbahn schleicht zunächst an diesem Rücken entlang, um ihn dann an seiner niedrigsten Stelle im "Puchberger Einschnitt" zu durchqueren.

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Früher war der Bereich der Passauerbahn im "Linet" eher unzugänglich, doch auch hier hat der Bahnausbau Abhilfe in Form von Begleitstraßen geschaffen.
Diese Begleitstraßen sind heute vielgenutzte Wanderwege, während die im modernen Bahnbetrieb entbehrlichen Wärterhäuser den neuen Besitzern als Refugium dienen. weitere Bilder
Immer tiefer gräbt sich die Passauerbahn in den "Linet" hinein, doch ein Ende der Geraden ist bereits in Sicht und auch die beidseitigen Bahnböschungen werden immer höher. weitere Bilder
Am Ende der Geraden wendet sich die Passauerbahn nach Süden und durchbricht den "Linet" Richtung Wels. Im Jahre 2005 waren die Wunden des Bahnausbaus in der Natur noch deutlich sichtbar, doch heute ist alles grün und dicht verwachsen. weitere Bilder
Plötzlich treten die Hügel zurück und am Horizont tauchen die Hochhäuser von Wels auf. Hier im Bereich der ehemaligen Hst. Puchberg bei Wels ist übrigens seit der Auflassung des Haltepunktes ein bedeutendes Siedlungsgebiet entstanden. Verkehrte Verkehrswelt - kann man nur sagen! weitere Bilder
Als es den Haltepunkt noch gab, konnte der Bahnreisende dem wunderschönen Schloss Puchberg aus dem 16. Jhdt. einen Besuch abstatten. Seit 1952 steht das Schloss im Eigentum der Diözese Linz, die hier seit 1953 ein Bildungshaus betreibt.
Ab Puchberg führt der Schienenweg auf einem hohen Damm hinaus in das flache Land nördlich von Wels. weitere Bilder
Das nächste Hindernis für die Passauerbahn bildet die Welser- bzw. Innkreisautobahn A 8, doch eine moderne Brücke schafft schnell Abhilfe.
Irgendwann ist es dann vollbracht: Eine gewaltige Kurve führt hinein in den Welser Hauptbahnhof mit seinen ausgedehnten Gleisanlagen.
Welch ein Gegensatz: Die moderne Passauerbahn und die nicht minder moderne Westbahn werden just an einer Stelle miteinander verknüpft, wo noch immer das eigenwillige alte Welser Stellwerk 2 seinen Platz behauptet. Natürlich ist seine Funktion längst auf ein modernes Zentralstellwerk übergegangen. weitere Bilder
Schnell verlieren sich die beiden Gleisstränge der Passauerbahn im ausgedehnten Gleisfeld des Welser Hauptbahnhofes.
Wie schon der größte Teil der Passauerbahn, so zeigt sich auch Wels Hbf. von seiner modernsten Seite: Der Umbau der letzten Jahre hat ein architektonisch hochinteressantes und zeitgemäßes Gebilde aus Glas, Stahl und Beton hinterlassen. weitere Bilder


Doch Wels ist nicht nur Bahnhof - Wels ist eine ganz wunderbare und absolut sehenswerte Stadt. Bereits zur Römerzeit kann an dieser Stelle die Existenz des Kastells "Ovilava" nachgewiesen werden. Zeitweise fungierte dieser Stützpunkt sogar als Hauptstadt der römischen Provinz Norikum. Nach der Zerstörung des Kastells während der Zeit der Völkerwanderung gelangte Wels im Jahre 776 unter die Herrschaft der Bayern und erhielt den Namen "Uueles". Bayernherzog Tassilo gründete übrigens im Jahre 777 unweit von Wels das Stift Kremsmünster. Den Habsburgern verdankt Wels in den folgenden Jahrhunderten die Entwicklung zu einem bedeutenden Handelszentrum. Unter Kaiser Maximilian I., der 1519 in Wels verstarb, war Wels sogar im Rang einer landesfürstlichen Stadt. Mit der Errichtung der Pferdeeisenbahn von Gmunden nach Budweis im Jahre 1834 bzw. später mit dem Bau der Kaiserin Elisabeth Westbahn im Jahre 1859 und der Passauerbahn im Jahre 1861 entwickelte sich die Stadt auch zu einem der bedeutendsten Verkehrsknotenpunkte Österreichs. Neben der Bedeutung für die Eisenbahn ist Wels Kreuzungspunkt wichtiger Autobahnen wie etwa der A 8 (Innkreisautobahn) und der A 9 (Pyhrnautobahn) Die wirtschaftliche Bedeutung von Wels hat die Entwicklung zur europaweit bekannten Messestadt bewirkt. Die "Welser Messe" und mehrere Fachmessen locken alljährlich eine Vielzahl von Besuchern an.


So ist es eine gütige Fügung des Schicksals, dass die wunderbare Passauerbahn in einer grandiosen Stadt am Zusammenfluss von Donau, Inn und Ilz beginnt und in einer ebenso interessanten Stadt an der Traun im oberösterreichischen Zentralraum endet. weitere Bilder
Zurück am Bahnhof heißt es nun Abschied nehmen von der Passauerbahn und ihren Zügen. Fast kommt ein bisschen Wehmut auf, während sich wieder einer dieser schweren Containerzüge Richtung Passau auf den Weg macht.
Gibt es einmal keine Waggons zu transportieren, weil ein Wochenende vor der Türe steht, dann tut man sich einfach zusammen und lässt sich in die Heimat zurückschleppen.

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Damit endet unsere Reise entlang der Passauerbahn. Vielleicht ist es gelungen, ein bisschen Interesse für diese wunderbare Strecke und die sie begleitenden Landstriche zu erzeugen - damit wäre das selbstgesteckte Ziel dieser Bilderserie erreicht!

Linz, im Juli 2009