Plecnik

Ich trage einen großen Namen

Der EC "Joze Plecnik" im Wandel der Zeit

von Martin Radner und Heinrich Seitner



Seit dem 11.12.2005 findet man in den Kursbüchern der Bahn das Zugpaar EC 100 - EC 101, welches auf den Namen "Joze Plecnik" hört. Mit diesem Namen verbindet man üblicherweise einen bekannten Architekten, der von 1872 bis 1957 lebte und in seiner Schaffensperiode als Stadtbaumeister von Laibach das Aussehen dieser Stadt ganz wesentlich geprägt hat.



Das half natürlich beim "Erstauftritt" des Zuges schon ein gutes Stück weiter, denn man konnte aus dem Namen bereits ableiten, wohin die Reise führen werde. Das Zugpaar EC 100 - EC 101 "Joze Plecnik" verband in der Tat zunächst Prag via Budweis und Linz mit Laibach.

RÜCKBLICK


Man könnte ja glatt dem Trugschluss erliegen, ein internationaler Schnellzug in der Relation Prag - Laibach sei eine epochale Zukunftsperspektive von Eisenbahnstrategen unserer Tage gewesen, doch weit gefehlt!

  • Bereits zwischen 1907 und 1914 verkehrte auf diesen wunderbaren Strecken ein D-Zug, der zunächst Dresden und ab 1911 Berlin mit Triest verband. Der 1. Weltkrieg erzwang zwar eine Unterbrechung, doch schon ab 1920 wurde der Zug wieder in Fahrt gesetzt, diesmal von Prag nach Triest.

  • Der 2. Weltkrieg bereitete dem internationalen Verkehr in dieser Relation erneut ein jähes Ende, doch ab 1948 kam wieder eine Zugverbindung zustande und zwar bis 1950 zwischen Prag und Rijeka, danach bis 1951 nur mehr zwischen Prag und Graz. In den Folgejahren bestand augenscheinlich kein Bedürfnis nach einer Bahnreise aus der Tschechoslowakischen Volksrepublik Richtung Süden - wer sollte auch das Paradies der Werktätigen verlassen wollen?

  • Erst 1971 regte sich plötzlich wieder so etwas ähnliches wie ein "internationales Lüftchen" - zumindest auf der Pyhrnbahn, denn es wurde der legendäre
    D 498 - D 499 "Beograd-Express" in der Relation Hamburg - Passau - Graz - Beograd ins Leben gerufen. Dieses Zugpaar fuhr allerdings zwischen 1972 und 1979 über die damals bereits durchgehend elektrifizierte Kronprinz Rudolfbahn und kehrte erst 1979 als namenloser Schnellzug mit verkürztem Laufweg bis Zagreb wieder auf die "Pyhrn" zurück. 1988 wurde er mangels ausreichender Inanspruchnahme eingestellt. Längst hatte ja das Auto seinen Siegeszug angetreten!

  • Am 11.12.2005 - Europa war inzwischen "grenzenlos" in der EU vereint - wurde zwischen Tschechien, Österreich und Slowenien wieder eine direkte Zugverbindung eingerichtet und zwar in Form des "Joze Plecnik" - bahnamtlich EC 100 - EC 101 - bezeichnet!
    Vor allem die werktags äußerst schwache Auslastung des EC "Joze Plecnik" ist den Verantwortlichen der Bahn natürlich nicht entgangen - Handlungsbedarf war gegeben.
  • Bereits mit dem Fahrplanwechsel 2008/2009 wurde es ernst - der Laufweg des Zuges wurde geändert und führt nunmehr von Prag via Linz nach Salzburg.

Allen Makeln zum Trotz - auf Fotografen übte der "Joze Plecnik" wegen seines eleganten Äußeren von seinem ersten Verkehrstag an eine gewisse Faszination aus. Was liegt also näher, als diesem Zug eine kleine Hommage zu widmen. Natürlich haben wir auch die Entwicklung des Zuges nach unserer Reise im Auge behalten, wie die entsprechenden Abschnitte beweisen.


Und die Geschichte wird wohl fortgeschrieben werden, wenn es die weitere Entwicklung erfordert. Neue Bilder können allemal erwartet werden - es lohnt sich also, dieser Seite gelegentlich einen Besuch abzustatten.


Doch nun viel Spass beim Betrachten der Bilder!