Attnang - Puchheim

Bahn-km: 243,292      Seehöhe: 419 m

Copyright: Martin Radner und Heinrich Seitner



Attnang - ein Eisenbahnerkaff? - Keineswegs, denn die rund 8.900 Einwohner der Stadt können auf eine durchaus interessante und abwechslungsreiche Geschichte zurückblicken:
So war z.B. das heutige Gemeindegebiet bereits im 8.Jhdt. von bayrischen Einwanderern bevölkert. Seit 1135 kann der Name Puchheim, seit 1242 der Name Attnang erstmals urkundlich nachgewiesen werden. Um 1050 wurde in Puchheim eine Festung errichtet, die jedoch 1585 zur Gänze niederbrannte. An ihrem Platz steht heute das gleichnamige Schloss, dessen Gemäuer dem Orden der Redemptoristen als Refugium dient.
In Puchheim befinden sich die Grabstätten mehrerer Abkömmlinge der spanisch carlistischen Dynastie, u. a. jene von Alfonso Carlos von Bourbon, Maria das Neves und Maria Antonia von Bourbon-Parma, der Mutter von Kaiserin Zita von Österreich.
Zwischen 1886 und 1890 wurde die Wallfahrtskirche Maria Puchheim erbaut. In ihr findet der Interessierte eine kostbare Breinbauerorgel.
Als 1877 mit dem Bau der Salzkammergutbahn begonnen wurde, entwickelte sich Attnang rasch zu einem der bedeutendsten Eisenbahnknoten Österreichs. Dass dies nicht immer unbedingt segensreich sein muss, haben die Bewohner von Attnang am 21.04.1945 erlebt, als amerikanische Bomber die Stadt in Schutt und Asche legten und mehr als 700 Menschen ihr Leben verloren haben.
Nach dem Wiederaufbau hat im Ort relativ schnell eine solide wirtschaftliche Entwicklung eingesetzt. Die Stadt ist beispielsweise Standort für bekannte Firmen aus den Branchen "Fruchtsaftherstellung", "Fördertechnik" und "Bauwirtschaft", was letztendlich im Jahr 1990 auch zur Verleihung des Stadtrechtes geführt hat.
Abschließend sei noch der Besuch der wirklich sehenswerten Martinskirche in Alt-Attnang empfohlen; ihr schmucker Kirchturm ist ja bei der Einfahrt in den Bf. Attnang-Puchheim auf der nördlichen Seite gut zu sehen.
Der Gemeindename Attnang-Puchheim wird übrigens seit dem Jahre 1912 offiziell verwendet.


Gleich hinter den Einfahrsignalen des Bf. Attnang-Puchheim tut sich ein beachtliches Gleisfeld, eingebettet in einen riesigen Mastenwald, auf und deutet es sofort an: Hier zweigen nicht nur die Salzkammergutbahn und die Hausruckbahn von der "West" ab, in Attnang-Puchheim werden auch Güterwagen rangiert, denn in Gmunden, Ebensee und Lenzing warten einige Großkunden der Bahn auf Waggonzufuhr.

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Der Bahnhof ist freilich alles andere als zweckmäßig, denn es gibt nur einen Hausbahnsteig, das Stutzgleis für die Züge ins Salzkammergut und einen Inselbahnsteig für den durchlaufenden Verkehr. Das ist für einen Bahnknoten mehr als dürftig, auch wenn da und dort ein kleines Accessoire erfreut! Der Rest des Knotenpunktverkehrs wird auf alten Erdbahnsteigen abgewickelt. Schutzsignale helfen wenigstens bei der Unterteilung der Gleise in Abschnitte, aber das war's dann auch schon!
Gesteuert wird das alles von einem modernen, ebenfalls nicht gerade mit Eleganz gestraften Zentralstellwerk. Aber was soll's - schön muss es nicht sein - funktionieren soll es (und tut es auch!).

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Der bereits in die Jahre gekommene Bahnhof wurde 1860 eröffnet und bis 1940 vollständig elektrifiziert. Ab 2010 soll ein Neubau in Angriff genommen und bis 2013 fertig gestellt werden. Hoch an der Zeit wäre es, doch so recht glauben will das derzeit noch niemand. Das Aufnahmsgebäude ist zwar stattlich, bei näherem Hinsehen aber doch eher heruntergekommen. Die Beengtheit am Bahnhofvorplatz, hervorgerufen durch die Verkehrshölle auf der daran vorbeiführenden Bundesstraße 1, wurde recht originell dadurch gelöst, dass die Kassenhalle einfach auf den südlich gelegenen Rennerplatz verlegt wurde. Um dem Ganzen ein bisschen ein Gesicht zu geben, hat man die Bahneinrichtungen mit einem Parkdeck überbaut und via Tunnel mit den Bahnsteigen bzw. weiteren Parkplätzen nördlich des Bahnhofes verbunden.

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Ein kurzer Rundgang führt uns durch schöne Straßenzüge zum geschichtsträchtigen Boden rund um Schloss Puchheim. 1136 erstmals urkundlich als Festung erwähnt, wurde es 1585 durch Feuereinwirkung total zerstört und anschließend als Renaissanceschloss wieder aufgebaut. 1851 hat Erzherzog Maximilian von Österreich die Redemptoristen zu einer Klostergründung nach Puchheim berufen. 1969 überträgt Prinz Xavier de Bourbon die Anlage per Schenkungsvertrag an den Orden. Im Vorschloss Puchheim war bis zum Jahre 1848 die Herrschaftsverwaltung sowie das Landgericht Puchheim untergebracht. Ab 1851 residierte dann die Gemeindeverwaltung von Puchheim im Turm. Im Jahre 1875 gründeten die Franziskanerinnen eine Privatschule für Mädchen. 1987 wurde der Besitz geteilt: Ein Teil wurde der Gemeinde Attnang-Puchheim zur Errichtung einer Landesmusikschule übertragen, ein weiterer Teil der Pfarre Puchheim zur Errichtung eines Pfarrzentrums. Im dritten Teil hat die Diözese Linz das "Maximilianhaus" eingerichtet. Auch der Ortsteil Alt-Attnang mit der wunderschönen Martinskirche ist durchaus einen Besuch wert.

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Seit 1877 zweigt in Attnang-Puchheim die Salzkammergutbahn über Bad Ischl und Bad Aussee nach Stainach-Irdning ab. Das Logo des regionalen Fremdenverkehrsverbandes weist darauf hin, dass der abgehende Zug durch eine der schönsten Gegenden Österreichs fahren wird. Dass es sich dabei auch um eine der interessantesten Bahnlinien Österreichs handelt, ist leider nirgends zu lesen! "Bahnseits" erinnert nur ein vor sich hinrostendes Lokdenkmal samt Zubehör an die glorreiche Vergangenheit der Strecke; die Züge der Neuzeit zwängen sich an der Westausfahrt des Bahnhofes durch hässliche Betonlöcher in die Traumlandschaft mit großer Geschichte!

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Attnang-Puchheim war seit jeher auch ein bekannter Traktionsstandort. Errichtet in den Jahren 1906 bis 1907 wurde die Dienststelle in der Zeit der Deutschen Reichsbahn sogar in den Rang eines Bahnbetriebswerkes erhoben. Da die von Attnang ausgehenden Traktionsleistungen meist nicht sonderlich bedeutungsvoll waren, wurden hier oftmals Loks stationiert, die anderswo wegen der fortschreitenden technischen Entwicklung nicht mehr verwendbar waren. Heute rührt sich nicht mehr viel und wenn doch, dann erlebt man eben meist Fahrzeuge, wie man sie in jeder Ecke Österreichs entdecken kann. Aber es gibt Ausnahmen!!

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Der Bahnbetrieb unserer Tage ist wie überall entlang der "West" von einer gewissen Monotonie geprägt, die - so sagt man - die Voraussetzung für wirtschaftlichen Bahnbetrieb sei. Railjets und EC fahren natürlich in Attnang durch, dafür vermitteln REX, Regionalzüge und IC-Züge alles, was einen perfekten Bahnknoten auszeichnet. Die Fahrgastfrequenz ist stets enorm - dafür sorgt das wirtschaftlich prosperierende Umland und der Fremdenverkehr im nahen Salzkammergut. Auch am Sektor "Güterverkehr" hat Attnang immense Bedeutung, denn von hier aus werden Züge zu den Großkunden in Lenzing bzw. in Gmunden und Ebensee verteilt.

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Eine Neuerung im Verkehr auf der "West" gibt es dennoch zu vermelden - die Reihe 1163, eine Loktype, die man östlich von Attnang fast nie antrifft.
Tagtäglich sind zwei der in Salzburg beheimateten, eleganten Lokomotiven im schweren Güterzugdienst von Attnang-Puchheim aus Richtung Gmunden und Lenzing eingesetzt. Wir werden ihnen also auf unserer Weiterreise Richtung Salzburg noch mehrmals begegnen.

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Eine Überfahrtsbrücke am Westkopf des Bf. Attnang-Puchheim eröffnet noch einmal einen Blick auf die ausgedehnten Anlagen des Bahnknotens. Unmittelbar danach beschreibt die "West" eine gewaltige Kurve, die leider wegen der beengten Platzverhältnisse fotografisch kaum verwertbar ist.

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Dafür entschädigt die "West" den Fotografen gleich danach mit ungemein fotogenen Stellen im Abschnitt bis Vöcklabruck.

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