Lambach

Bahn-km: 222,109      Seehöhe: 366 m

Copyright: Martin Radner und Heinrich Seitner



Lambach, ein Ort, der von drei Größen dominiert wird: Von einem Stift, von einer Spedition und von einem Bahnhof! Doch alles der Reihe nach.

Natürlich verdient zunächst Stift Lambach eine Erwähnung, denn ohne die Patres aus dem Orden der Benediktiner hätte der Ort Lambach wohl kaum seine heutige Bedeutung erlangt.
  • Die Anfänge der Klosteranlage gehen auf das Jahr 790 zurück. Damals wurde an dieser Stelle ein burgähnliches Bauwerk errichtet und war lange Zeit Sitz der Traungauer.
  • Um 1056 hat der als Ortsheiliger verehrte Bischof Adalbero von Würzburg den Umbau der Burganlage in ein Stiftsgebäude vollzogen. Im selben Jahr erfolgte außerdem von Lambach aus die Gründung des berühmten Benediktinerstiftes Melk.
  • Sein heutiges Aussehen erhielt Stift Lambach im 17.Jhdt. Künstlerisch bemerkenswert ist das wunderbare Hauptportal, geschaffen von Jakob Auer aus Grins bei Landeck, sowie die barocke Stiftskirche "Mariä Himmelfahrt" mit ihrem Hochaltar aus dem Jahre 1717, geschaffen nach Entwürfen des berühmten Barockbaumeisters Fischer von Erlach, der uns in der Stadt Salzburg neuerlich begegnen wird. Teilweise sind auch noch Fresken aus dem ursprünglich romanischen Kirchenbau vorhanden.
  • 1941 wurde der Konvent von den Nationalsozialisten aufgelöst und im Stiftsgebäude eine Erziehungsanstalt etabliert. Erst 1945 kehrten die Patres wieder an ihren angestammten Platz zurück.
In Lambach, das bereits seit dem Jahre 1365 das Marktrecht besitzt, leben heute 3.370 Einwohner.
Wer das Stift besichtigen möchte, dem sei der gute Rat gegeben, den Zug erst in der Hst. Lambach-Markt zu verlassen; von dort ist der Fußmarsch zum Stift und in den Ort wesentlich kürzer und angenehmer.

Aufgrund der idealen Verkehrsanbindung und des ganz offensichtlich sehr interessanten Marktes im Umland (Papierfabriken etc.) hat sich in Lambach einer der größten Spediteure und Transportunternehmer Europas etabliert. Seine auffällig gestalteten Container sind jedem Eisenbahnfreund ein Begriff, aber auch auf der Straße ist das Unternehmen allgegenwärtig.
Neben dem beachtlichen Containerverkehr werden in der Anschlussbahn aber auch Züge, beladen mit Sand, bereitgestellt und zu den verschiedenen Bahnbaustellen in Österreich gefahren.

Bleibt noch eine Beschreibung des Bahnhofes.
  • Bereits am 01.03.1855 hat der Schienenstrang der "Ersten österreichischen Eisenbahngesellschaft" - von Linz kommend - Lambach erreicht. Die Strecke wurde am 21.06.1857 von der "k.k.priv.Kaiserin Elisabethbahn" übernommen und bis 01.09.1859 auf Normalspurweite umgestellt. Zwischen dem damals neu gebauten "Westbahnhof" Lambach und dem Bahnhof der Pferdeeisenbahn in der Nachbargemeinde Stadl-Paura wurde eine rund 3,5 km lange Schmalspurverbindung betrieben.
  • Bis zum 30.08.1903 wurde auch die Strecke von Lambach bis nach Gmunden Seebahnhof normalspurig ausgebaut.
  • Am 13.09.1903 erfolgte sodann die Eröffnung der Lokalbahn von Lambach nach Vorchdorf-Eggenberg. Die Betriebsführung oblag zunächst der "k.k.priv.Kaiserin Elisabethbahn", ab 01.05.1931 ging sie auf die Fa. Stern & Hafferl über.
  • Am 28.05.1988 wurde der Personenverkehr zwischen Lambach und Gmunden Seebahnhof eingestellt. Für den Güterverkehr hat die Strecke jedoch zumindest bis zu den Papierfabriken in Steyrmühl und Laakirchen eine immense Bedeutung.
  • Am 02.01.1995 wurde im Zuge der Errichtung der Umfahrung Lambach der 1.410 m lange Kalvarienbergtunnel in Betrieb genommen. Es handelt sich bei diesem Streckenabschnitt um die Bahnhofgleise 1 und 2, weshalb auch die Signale immer rechts der Gleise aufgestellt sind. Seit diesem Datum kommen die Fernzüge im Bf. Lambach nicht mehr durch.


Lambach liegt zwar an der "West", aber die "Stars der Schiene" bzw. ganz Eilige benützen seit dem 03.01.1995 die Bahnhofgleise 1 und 2 und die führen ab Bahn-km 225,672 durch den nördlich davon gelegenen 1.410 m langen, bis Bahn-km 227,082 reichenden "Kalvarienbergtunnel". Wie bei Bahnhofgleisen üblich, stehen die zugehörigen Signale auch auf der Tunnelstrecke allesamt rechts des jeweiligen Gleises.
Wer den Bf. Lambach oder die Hst. Lambach Markt erreichen will, muss also REX- oder R-Züge benützen und die verlassen kurz vor dem Tunnel die Schnellfahrstrecke.

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Hat man den Bahnhof erreicht, steht man vor einem monumentalen Bauwerk, das an Zeiten erinnert, als Lambach noch ein gefragter Halte- und Umsteigebahnhof war. Vielfach wird ja behauptet, der Bf. Lambach sei das schönste aller Empfangsgebäude an der "West"; vor allem trägt der Bau jene typischen Merkmale, die in den Anfängen der "Westbahn" alle großen Bahnhöfe ausgezeichnet haben.

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Und sofort spiegelt sich in allen Ecken der Firmenname einer Spedition, die untrennbar mit Lambach verbunden ist und zu den größten und bekanntesten in ganz Europa zählt.

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Allein schon deshalb hat der Bahnhof beträchtliche Ausmaße. Außerdem zweigt in Lambach eine Bahnstrecke zu den großen Papierfabriken in Steyrermühl und Laakirchen ab und auch da fällt täglich ein riesiges Transportsubstrat an Güterwagen an. Früher gab es auf dieser Strecke, der so genannten "Traunfallbahn", sogar Personenverkehr bis nach Gmunden Seebahnhof, aber diese Zeiten sind seit 28.05.1988 vorbei
Des Weiteren werden in Lambach immer wieder Unmengen an Sand und Schotter umgeschlagen und zu den einzelnen Bahnbaustellen in ganz Österreich verfrachtet.
Auch ein großer Alteisenhändler sorgt als regelmäßiger Bahnkunde für Frachtaufkommen.

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Gelegentlich verirren sich natürlich auch andere Züge auf die "alte West" und damit in den Bahnhof und zwar immer dann, wenn die "High-Tech-Strecke" durch den Kalvarienbergtunnel wieder einmal eine "Anti Aging-Behandlung" braucht.

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Lambach hat auch eine kleine aber feine Regionalbahn zu bieten, die "Vorchdorferbahn", betrieben von der Fa. Stern & Hafferl, sozusagen der "Landesbahn der Oberösterreicher". Hier sind wir ihrer "verkehrsdienstlichen Zentrale" Vorchdorf ganz nahe, dementsprechend groß ist das Angebot für den Fotografen, seien es Dieselloks oder eben die unverwüstlichen Alttriebwagen aus allen Ecken Europas, die den Streckendienst Richtung Stadl-Paura, Bad Wimsbach-Neydharting und Vorchdorf-Eggenberg betreiben.
Bis ins Jahr 2009 hatten viele Betrachter dieser Seite sicher auch noch das Glück, die Twg der "Haager Lies", einer weiteren, von der Fa. Stern & Hafferl von Lambach aus betriebenen Bahnlinie nach Haag am Hausruck, benützen zu dürfen. Seit Dezember 2009 ist der Zugverkehr allerdings eingestellt, die Twg sind verschwunden.

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