Vöcklamarkt

Bahn-km: 264,050      Seehöhe: 489 m

Copyright: Martin Radner und Heinrich Seitner



Vöcklamarkt bietet seinen rund 4.000 Einwohnern rund um die recht schöne Pfarrkirche aus dem 15.Jhdt., die in den Folgejahren barockisiert wurde, typisch oberösterreichische Dörflichkeit.
Das heutige Gemeindegebiet war allerdings bereits von 15 v. Chr. bis etwa 450 n. Chr. von den Römern besiedelt. Ein römischer Meilenstein legt darüber heute noch Zeugnis ab. Den Römern folgten in der Siedlungsgeschichte die Bayern. Im 8.Jhdt. setzte sodann die Christianisierung ein und in der Region rund um Vöcklamarkt wurden im Auftrage des bayrischen Herzogs Odilo mehrere bedeutende Klöster gegründet (748 in Mondsee, 777 in Mattsee).
Erstmals wird Vöcklamarkt im Jahre 1075 als "Vechelsdorf" urkundlich erwähnt. Bis 1200 war Vöcklamarkt ein Teil Bayerns, dann gelangte es zum Herzogtum Österreich. 1489 erfolgte die Markterhebung.
1620 haben die Habsburger den Landstrich Oberösterreich an den bayrischen Herzog Maximilian I. verpfändet, der unverzüglich die Gegenreformation einleitete, was zu einem massiven Volksaufstand führte. Besonders im nahegelegenen Frankenburg kam es immer wieder zu Ausschreitungen, in deren Folge 1625 der eingesetzte protestantische Seelsorger verjagt und der landesfürstliche Pfleger auf Schloss Frankenburg belagert wurde. Der Aufstand endete jedoch so schnell, wie er begonnen hatte und es kam zum berühmten

"Frankenburger Würfelspiel"

Nach Beendigung der Belagerung von Schloss Frankenburg ließ der bayrische Statthalter in Oberösterreich Adam Graf von Herberstorff die 36 Rädelsführer des Aufstandes verhaften und am Haushamerfeld zwischen Vöcklamarkt und Frankenburg zusammentreiben. Sie sollten gehängt werden, doch irgendwie erschien dem Machthaber das Urteil denn doch zu streng, also ließ er "Gnade vor Recht" ergehen, bildete aus je 2 von ihnen ein Team und ließ der "überirdischen Gerechtigkeit" in Form eines Würfelspiels freien Lauf. Derjenige, der die kleinere Augenzahl gewürfelt hatte, war dem Tode geweiht und wurde gehängt, der andere durfte als freier Mann das Haushamerfeld verlassen und in sein rechtloses bäuerliches Elend zurückkehren.

Undank ist freilich der Welten Lohn, denn trotz aller "Gnade" brach im Jahre 1626 der Unmut der Landbevölkerung erneut aus und mündete im gewaltigen Bauernaufstand, der auch die Gemeinde Vöcklamarkt arg in Mitleidenschaft zog.
Doch damit endet die Kulturgeschichte in und um Vöcklamarkt keineswegs. Bereits im Jahre 1040 dürfte nämlich in der nahen Ortschaft Walchen von den "Walchen" aus Kammer am Attersee ein Ansitz gegründet worden sein, der bis 1590 großteils abgetragen und zu einem stattlichen Schloss ausgebaut wurde. Nach vielen Besitzwechseln ist die Anlage seit dem Jahre 1959 im Besitz der Familie Hanreich. Seit 1979 ist im Meierhof des Schlosses das bekannte Kinderweltmuseum eingerichtet. Man erreicht diese Sehenswürdigkeit heute problemlos mit der Attergaubahn der Fa. Stern & Hafferl, die in Vöcklamarkt ihren Ausgang nimmt.



Die "West" nähert sich dem von der BFS-Salzburg aus ferngesteuerten Bf. Vöcklamarkt mit einer gewaltigen Kurve. Aufnahmsgebäude und Bahnsteigequipement sind in Glas und Beton gehalten - nüchtern, aber funktionell.

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Vöcklamarkt ist eine typische oberösterreichische Landgemeinde, in der es sich hervorragend leben lässt, wie viele neu entstandene Siedlungen rund um den Ortskern beweisen. Interessant ist sicher ein Besuch des Haushamerfeldes, auf dem ein Denkmal an die unseligen Bauernkriege erinnert. Im Schloss Walchen südlich von Vöcklamarkt vermittelt ein kleines Museum dem Interessierten tiefe Einblicke in die Welt der Kinder.

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Normalerweise bietet der Zugverkehr in Vöcklamarkt wenig Interessantes: Alles fährt durch, nur der Regionalverkehr hält. Manchmal kann allerdings da schon einiges zusammenkommen wie etwa am 03.03.2010: Aus Linz fährt R 3010 ein, aus Salzburg 4024 017 als R 3017. Die Fahrgäste eilen durch die Unterführung zum Zug der Attergaubahn, während 4023 006 als SLP 97855 durchhuscht und auf einem Nebengleis eine alte Draisine des Bahnmeisters gegen "die Großen" aufmotzt.

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Die meterspurige Attergaubahn verkehrt klarerweise auf einem eigenen Gleiskörper unter 800 Volt Gleichspannung. Die Bahnstrecke wurde am 14.01.1913 eröffnet und am 01.01.1926 von der Fa. Stern & Hafferl übernommen. Sie hat eine wichtige Zubringerfunktion von der "West" an den größten See Oberösterreichs, den Attersee, den sie nach gut 13 km Wegstrecke erreicht. Ihr alter Lokalbahnhof hat sich erfolgreich gegen alle Modernisierungen des großen Bruders verteidigt.

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Aber auch die "West" zeigt in Vöcklamarkt manchmal ihre Reize: Bewegt man sich vom Aufnahmsgebäude ein Stück weit Richtung Westen, ist sie sogar ausgesprochen fotogen.
In guten Zeiten wurden gelegentlich Ganzzüge zusammengestellt, welche Holz und Holzprodukte von einem hier ansässigen Großsägewerk in alle Teile Europas verbrachten, doch auf diesem Sektor herrscht derzeit etwas Flaute.

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Im weiteren Verlauf kommt die "West" nach wenigen Kilometern an einer Einspeisungsstelle für Bahnstrom vorbei. Gleich danach folgt auf Höhe der Trenaumühle eine elegante Kurve, dann schlüpft der Schienenweg unter der Bundesstraße 1 durch. Bevor die Einfahrsignale des Bf. Frankenmarkt auftauchen, gilt es noch, einen technisch aufwändig gesicherten Berghang zu passieren, der allerdings einen idealen Fotostandort abgibt.

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